Freitag, 17. Mai 2013

Bischof Erwin Kräutler zu Belo Monte: "Gebe nicht auf"


RadioKulturhaus, 16. Mai 2013, 18:30 Uhr
Im Zeit-Raum: Im Kampf für Amazonien

Bischof Erwin Kräutler spricht mit Johannes Kaup über seinen Kampf für Gerechtigkeit und Menschenwürde, seine Motive, seinen Lebensweg und die aktuelle Situation seines Einsatzes gegen das Staudamm-Projekt Belo Monte.

HINWEIS:
Das Gespräch wird am 24. Juni 2013 um 16 Uhr auf Ö1 übertragen.

Der Standard, 17.5.2013
Belo-Monte-Staudamm: Kräutler wirft Brasilien Verfassungsbruch vor

Bevölkerung sei nicht entsprechend angehört worden - Menschen würden Folgen des Projekts "vielleicht physisch überleben, aber kulturell gehen sie zugrunde"

Belem/Wien/Graz - Der aus Vorarlberg stammende Bischof der Amazonas-Diözese Xingu, Erwin Kräutler, wirft der brasilianischen Regierung im Zusammenhang mit dem Bau des Belo-Monte-Staudamms Verfassungsbruch und Rechtsverletzungen vor. Rund 40.000 Menschen, vorwiegend Angehörige indigener Minderheiten, würden Lebensraum und -grundlage verlieren, kritisierte Kräutler am Donnerstagabend im Wiener ORF-Radiokulturhaus. Internationale Konzerne wie die steirische Andritz, die am Kraftwerksbau mitarbeiten, hätten sich über die Zerstörungen und Probleme nicht ausreichend informiert.

Der indigenen Bevölkerung Brasiliens steht laut Verfassung das Recht zu, bei Projekten, die ihren Lebensraum betreffen, angehört zu werden, so Kräutler. Allerdings sei das nicht eingehalten worden, wodurch die Verfassungsgesetze verletzt worden seien.

Auch in Umweltfragen handle Brasiliens Regierung nicht gesetzeskonform, da viele Auflagen schlicht nicht erfüllt worden seien. Derzeit sind bei Gericht noch Dutzende Verfahren anhängig, doch sind die Staatsgewalt und die Justiz in Brasilien nach Meinung Kräutlers so eng verflochten, dass höherrangige Instanzen oft Gerichtsurteile im Sinne der Regierung aufheben würden. Daher könne man Brasilien in diesem Zusammenhang nicht als "Rechtsstaat" sehen, meinte der Geistliche, der bereits um einen Termin beim brasilianischen Höchstrichter angesucht hat.

Kräutler: "Gebe nicht auf"

"Ich habe Beweise dafür", sagte der Bischof, der nach Morddrohungen und einem missglücktem Anschlag in Brasilien nur mit einer Security-Eskorte unterwegs ist. "Solange die Verfahren laufen, gebe ich nicht auf." Zwar seien die Bauarbeiten schon so weit fortgeschritten, dass massive Schäden nicht mehr rückgängig gemacht werden könnten. Es sei aber immer noch sein Ziel, das Projekt zu stoppen.

Das geplante Wasserkraftwerk habe mit sauberer Energie nichts zu tun, vielmehr wäre die indigene Bevölkerung bedroht, wenn sie aus ihrem Lebensraum etwa in Containersiedlungen umgesiedelt würden: "Das ist menschenunwürdig. Ihnen wird die Lebensgrundlage entzogen, sie haben keine Berufe erlernt, viele ergeben sich dem Suff."

"Menschen gehen zugrunde"

Oft werde argumentiert, dass die Dörfer der Indios ohnehin nicht geflutet würden, meinte Kräutler. In Wahrheit sei aber eben das Gegenteil das Problem. Da der Xingu-Fluss in einen Kanal umgeleitet werden soll, würde eine rund 100 Kilometer lange Flussschleife austrocknen. "Die Menschen haben dann kein Wasser mehr, aber sie leben ja vom Fischfang. Für sie wäre das der Todesstoß. Sie werden das vielleicht physisch überleben, aber kulturell gehen sie zugrunde."

Es sei im Zusammenhang mit den Indigenen auch ein Irrtum zu glauben, den Verlust ihres Lebensraums mit Geld- oder Sachentschädigungen wettmachen zu können. Die Menschen würden zwar mit Geld gefügig gemacht, letztlich aber doch untergehen. "Ich nenne das Auricid", meinte der gebürtige Vorarlberger in Anspielung auf das lateinische Wort Aurum (Gold).

Daher sei er auch vom früheren Präsidenten Luiz Inacio Lula da Silva enttäuscht worden, der trotz anderslautender Versprechungen letztlich die Umwelt und die Rechte der Indios dem Fortschritt geopfert habe. "Für mich ist Fortschritt aber nur dann gegeben, wenn sich die Lebensverhältnisse der Menschen verbessern."
Kritik an Andritz

Die Firma Andritz soll für das Kraftwerk die Turbinen liefern. Diese berufe sich darauf, dass das Projekt nach brasilianischem Umweltrecht genehmigt sei und Arbeitsplätze biete, so Kräutler. Es habe sich aber niemand die Mühe gemacht, sich die Umstände an Ort und Stelle anzuschauen: "Die riesigen Firmen hätten Abordnungen schicken sollen. Wir hätten den Leuten schon gezeigt, was los ist. Sie hätten sogar das Glück gehabt, dass der Bischof Deutsch spricht und sie keinen Dolmetscher brauchen."


„Unsere Zukunft wird weggespült“
Bischof Erwin Kräutler setzt sich für den Lebensraum der Indios ein
SALZBURG / XINGU (eds/ib – 19. 5. 2013) / Der Stausee Belo Monte verdrängt 40.000 Menschen aus ihrem Lebensraum. Was ist das schon im Verhältnis zu 200 Millionen Brasilianern? „So argumentieren sie in der Hauptstadt. Für mich haben alle diese Menschen ein Gesicht“, betont Dom Erwin Kräutler. Direkt an seinem Bischofssitz in Altamira fließt der Xingu vorbei. „Den indigenen Völkern ist dieser Fluss heilig.“ Die so genannte zivilisierte Welt zerstört ihn.
Dom Erwin ist „empört über all die Ausbeutung und Plünderung der Menschen und ihrer Mit-Welt“. Er lebt und wirkt seit beinahe 50 Jahren in Brasilien. SEI SO FREI, die entwicklungspolitische Aktion der Katholischen Männerbewegung in Salzburg und in Feldkirch, ist ein treuer Wegbegleiter. In den vergangenen Jahren konzentrierte sich die Unterstützung auf das Haus für Mutter und Kind und das Refúgio. Vor kurzem überzeugten sich die Referenten bei einer Projektreise davon, „wie Spenden aus Österreich Lebenschancen schenken“.
Mit dem Refúgio hat der Bischof dem „armen Volk Gottes am Xingu“ eine Zufluchtsstätte geschaffen. „Patienten, die in Altamira keine Verwandten haben, bei denen sie bleiben können, erhalten ein Dach über dem Kopf und Verpflegung. Mitarbeiterinnen begleiten sie zu Arzt und Behörden.“ Tag und Nacht klopfen Kranke an. Sr. Zélia, die Leiterin, und Sr. Jandira kümmern sich mit einem 15-köpfigen Team um die hier gestrandeten Frauen und Männer. Sie bleiben im Durchschnitt 20 Tage. Wer dazu in der Lage ist, zahlt einen geringen Beitrag. Die meisten können nicht einmal zehn Reais aufbringen, das sind umgerechnet vier Euro. Lucenildo ist einer von ihnen. Er greift sich mit schmerzverzerrtem Gesicht an sein Bein. „Die Nerven sind verletzt, es wird einfach nicht besser.“ Ein Schlagloch wurde ihm und seinem Zweirad zum Verhängnis.
Auch der Leidensweg des sechsjährigen Pedro ist noch nicht zu Ende. Ob er je wieder einem Fußball hinterherjagen kann? Der Bub saß bei seinem Onkel am Moped und trug bei einem Unfall einen Ober- und Unterschenkelbruch davon. Pedro pendelt nun zwischen Krankenhaus und Refúgio. „Vor ihm liegt eine langwierige Physiotherapie“, blickt Sozialarbeiterin Sonia auf den kleinen Dauergast und erzählt von dem nicht abreißenden Strom an neuen Patienten. Das Haus mit 60 Betten sei ständig überbelegt.
Wie Belo Monte den Alltag prägt, davon berichtet P. Michael Rhode. Am Haus der Missionare vom Kostbaren Blut donnern schon frühmorgens die LKW- und Buskolonnen vorbei. In einem Gebäude seiner Pfarre Perpétuo Socorro ist eine Art Refúgio-Nebenstelle eingerichtet. „Rund 30 Leute können in unserem Haus der Hilfe leben“, erzählt der aus Paderborn gebürtige Ordensmann.

Multinationale Gewinner, einheimische Verlierer
Schon in den 70er Jahren wollte die brasilianische Regierung die als Volta Grande bekannte Schleife des Xingu für ein Wasserkraftwerk nutzen. Damals landeten die Pläne aufgrund der Proteste und des Geldmangels in der Schublade. Im Frühjahr 2013 graben die Bagger trotz fehlender Genehmigungen jeden Tag weiter tief in den Urwaldboden hinein, um den drittgrößten Staudamm der Welt fertigzustellen. Das 11.000-Megawatt-Kraftwerk ist längst zum Prestigeprojekt für Präsidentin Dilma Rousseff geworden. Ein 50 Kilometer langer Damm soll den Verlauf des Xingu umlenken. 2015 soll Belo Monte das erste Mal Strom erzeugen.
29 Milliarden Reais, rund 11 Milliarden Euro kostet die Anlage. Andritz ist mit einer Auftragshöhe von etwa 330 Millionen Euro dabei und liefert Turbinen und Generatoren. Auf der Homepage gibt das steirische Unternehmen ein Bekenntnis zur Nachhaltigkeit ab, das in der Praxis anscheinend doch nicht so viel zählt. „Die Profiteure sind brasilianische und internationale Großkonzerne. Für die zählt nur der Gewinn“, bringt es Bischof Erwin Kräutler auf den Punkt.
Auf der Seite der „Verlierer“ treffen sich Flussbewohner, Fischer und Kleinbauern. „Norte Energia verspricht alles Mögliche. Sie wollen die Leute nur ruhig stellen. Wenn sie bauen, scheren sie sich nicht mehr um uns“, macht sich ein Aktivist bei der Protestbewegung Xingu Vivo Para Sempre Luft. Sprecherin Antônia Melo mahnt die Mobilisierung der Betroffenen ein. Immer wieder werden Straßensperren oder Baustellen-Besetzungen organisiert. Ein Totalstopp von Belo Monte ist aber unwahrscheinlich. Doch der Protest geht weiter – auch um weitere Staudämme zu verhindern.

Dienstag, 20. September 2011

Ecuador: Demonstranten fordern vom Vatikan „sozialen Bischof“



Quelle: Domradio, 18.9.2011

Mehrere hundert Katholiken haben in Ecuador für eine Besetzung des vakanten Bischofsstuhls der Diözese San Miguel von Sucumbios demonstriert. Laut einem Bericht des TV-Senders „Univision“ forderten die Demonstranten am Samstag (Ortszeit) vom Vatikan einen Bischof, der die soziale Arbeit des im Oktober 2010 aus Altersgründen zurückgetretenen Bischof Gonzalo Lopez Maranon (77) fortsetzt.

Nach dessen Rücktritt war in Ecuador eine Debatte um seine Nachfolge entbrannt, in die sich auch Staatspräsident Rafael Correa einmischte. Correa lehnte eine vom Vatikan vorgeschlagene Nachfolgerregelung als zu konservativ ab. Er werde keinen Bischof akzeptieren, der die Sozialarbeit in Sucumbios zu zerstören versuche und durch eine rückwärtsgewandte fundamentalistische Sekte ersetzen wolle, begründete der Sozialist seinen Vorstoß.

Der zunächst als Nachfolger von Lopez vorgesehene Argentinier Rafael Ibarguren Schindler soll ein Förderer der konservativen katholischen Gemeinschaft „Heraldos del Evangelio“ (Boten des Evangeliums)sein. Aufgrund der Neuausrichtung der Seelsorge in Sucumbios durch die „Heraldos“ kam es in der Region zu erheblichen Spannungen. Kirchliche und soziale Organisationen beklagten in einem Offenen Brief eine Diskriminierung von Indigenen, Afro-Amerikanern und anderen Gruppen.

Derzeit ist der Bischof von Guaranda, Angel Polibio Sanchez Loayza (65), als von Rom beauftragter Delegat für Sucumbios zuständig. Er erklärte in der vergangenen Woche, Rom beobachte mit großer Sorge die hitzige Debatte in Ecuador und habe um eine umfassende Informationen gebeten, damit in Kürze eine Entscheidung über die endgültige Nachfolge gefällt werden könne.

EFE, 14.9.2011
Al Vaticano le preocupa conflicto religioso en Ecuador, dice delegado papal
El Vaticano está preocupado por el conflicto entre los seguidores de un modelo de Iglesia social y otro jerárquico en una provincia de Ecuador y busca nombrar un obispo permanente que tranquilice a los fieles, según dijo a Efe el delegado pontificio, Ángel Polivio Sánchez.
El próximo sábado, los partidarios de los Carmelitas de los Pies Descalzos saldrán a las calles para reclamar que Roma escoja a un obispo que mantenga la Iglesia social y comunitaria establecida en la provincia amazónica de Sucumbíos, en la frontera con Colombia, dijo a Efe el padre diocesano Édgar Pinos.

PRESIDENTE CORREA VISITA SUCUMBÍOS A DOS DÍAS DE LA MOVILIZACIÓN CONTRA LA DIFAMACIÓN Y POR LA RECONCILIACIÓN
Präsident Correa besucht Sucumbíos zwei Tage vor der "Demonstration gegen Diffamierung und für Versöhnung"

Nota de prensa do Equipo de Comunicación Sucumbíos, 17 de septiembre
MARCHA PACÍFICA EN SUCUMBÍOS, ECUADOR
"Uns haben sie aus Sucumbíos vertrieben. Aber Sucumbíos können sie nicht aus unseren Herzen verbannen!"

Dienstag, 13. September 2011

Der Konflikt aus der Sicht der Herolde

Zum Konflikt im Apostolischen Vikariat von San Miguel de Sucumbíos (Ecuador)

Einige Leser haben sich in diesem Blog mit der Bitte an uns gewandt, den Fall der Instabilität des Apostolischen Vikariats von San Miguel de Sucumbíos (Ecuador) zu kommentieren, das vor Jahren den Karmeliten der Provinz San Juan de la Cruz de Burgos (Spanien), dann der OCD-Provinz (=Orden der Unbeschuhten Karmeliten) von Kolumbien und zuletzt den Herolden des Evangeliums anvertraut wurde. Wir wollten dies nicht tun, weil die Frage komplex und ermüdend ist: dass wieder einmal einige Ordensleute, die vom Weg abgekommen sind, den katholischen Geist zerstört haben, um eine Kirche nach ihrer veralteten und utopischen Ideologie zu erreichen (was sie nie erreichen); dass sie die Mission verraten haben, die die Kirche ihnen vor Jahren anvertraut hat, indem sie auch die Brüder ihres Ordens verraten haben, die ihnen in diesen Ländern vorausgegangen sind und in Gemeinschaft mit der Universalkirche gearbeitet haben?

Pater Juan Cantero, Karmeliter, bei der "Heilige Messe"

Die Unbeschuhten Karmeliten (einige von ihnen sind Spanier, wie oben erwähnt) mit ihrem Leiter, Bischof Gonzalo López Marañón OCD (ehemaliger Apostolischer Vikar), behaupten, im Vikariat eine soziale, demokratischere und bürgernähere Kirche geschaffen zu haben. Sie wurden jedoch vom Heiligen Stuhl abgesetzt, wodurch die Leitung des Vikariats in die Hände der Verkünder des Evangeliums überging, die nach Ansicht der "Söhne der heiligen Teresa", der großen authentischen Tochter der Kirche, versucht haben, das Vikariat in ein hierarchisches und zentristisch-römisches Kirchenmodell zu verwandeln.

Deshalb haben die Unbeschuhten Karmeliten unter ihren Anhängern eine Revolte angezettelt, die die Arbeit der Herolde ernsthaft behindert und sich damit den Wünschen des Papstes widersetzt hat. Und siehe da, der Heilige Stuhl musste angesichts der Heftigkeit der Ereignisse die Herolde des Evangeliums aus dem Vikariat entfernen, um das Gemeinwohl und den Frieden zu wahren. Bischof Gonzalo López Marañón OCD trat zu diesem Zweck selbst in den Hungerstreik. Kurzum, das Vikariat wurde zu einem Graben. Papst Benedikt XVI. selbst musste den General der Unbeschuhten Karmeliten zu sich rufen, um seine Brüder zur Ordnung zu rufen, während die OCD-Provinz von Burgos mit ihrem Provinzial an der Spitze die rebellischen Brüder unterstützte. Das alles ist bedauerlich und skandalös. Auch wenn wir den Fall nicht aus erster Hand kennen, sind wir der Meinung, dass die Karmeliten der Unbeschuhten zusammen mit ihren Anhängern über das hinausgegangen sind, was man von Ordensleuten erwarten kann. Ganz zu schweigen von dem, was sie in den letzten Jahren auf dem Gebiet der Pastoral im Vikariat getan haben.

Sehr traurig der Geist des Gehorsams und der Treue dieser Brüder, sehr traurig die Ideologie, der sie sich verschrieben haben, sehr traurig die Unterstützung, die sie von vielen spanischen Brüdern erhalten haben, sehr traurig der Unmut, den sie dem Papst entgegengebracht haben und weiterhin entgegenbringen... Und da wir von den Karmeliten der Jüngeren Brüder sprechen, sollten die Leser wissen, dass die Zahl der Novizen in diesem Jahr im Interprovinziellen Noviziat des Desierto de las Palmas in Benicassim (Castellón) 0 (NULL) beträgt.

Quelle: Divinas Vocaciones Religiosas, 09.2011





Sucumbíos Información de los Heraldos

Mittwoch, 17. August 2011

Weltweiter Aktionsaufruf gegen den Staudamm Belo Monte am 22. August

Internationaler Protesttag gegen Belo Monte Staudamm

GLOBAL 2000 protestiert vor brasilianischer Botschaft in Wien

am 22. August von 09:30 - 11:00 Uhr

Brasiliens Regierung will am Amazonas-Nebenfluss Rio Xingu ein riesiges Wasserkraftwerk bauen. Das "Belo Monte" genannte Projekt soll Strom für die wachsende Wirtschaft des Landes erzeugen - zu einem hohen Preis. Riesige Flächen des brasilianischen Regenwaldes sind gefährdet und bis zu 40.000 Menschen müssen umgesiedelt werden. Nach jahrelangen Kontroversen rund um das Projekt wurde nun mit dem Bau begonnen.

Aus Brasilien kommen derzeit täglich Berichte, wonach die Entwaldung bereits weit fortgeschritten ist und am Ufer des Rio Xingo schwere Maschinen stehen. Engagierte Naturschützer wurden Opfer von Einschüchterung, den Berichten zufolge wurden einige sogar getötet.

Das größte internationale Umweltnetzwerk Friends of the Earth (FoE), dem GLOBAL 2000 angehört, ruft am kommenden Montag, dem 22. August zu weltweiten Protesten gegen Belo Monte auf. In 23 Städten rund um den Globus wird an diesem Tag vor den brasilianischen Botschaften protestiert.

Näher Infos auf GLOBAL 2000


In Deutschland organisieren die Gesellschaft für bedrohte Völker (GfbV), Rettet den Regenwald und Survival International eine Mahnwache am Brandenburger Tor in Berlin gegen das zerstörerische Projekt. Dem Botschafter Brasiliens soll anschließend eine Protestnote überreicht werden.

In Würzburg findet ein "Montagsspaziergang" gegen Belo Monte statt
Treffpunkt zu der Veranstaltung der Diözesanstelle Mission-Entwicklung-Frieden ist am Würzburger Hauptbahnhof, Kiliansbrunnen, um 18 Uhr.

Zu dem weltweiten Aktionstag haben das brasilianische Aktionsbündnis Movimento Xingu Vivo para Sempre und u.a. die Organisationen International Rivers und Amazon Watch aufgerufen.

Freitag, 15. Juli 2011

Bischof Gonzalo Lopez Marañón kehrt nach Spanien zurück

Der spanische Bischof Gonzalo López Marañón, dessen pastorale Linie der Option für die Armen nach seinem Rücktritt von konservativen Kräften in der Provinz Sucumbios in Ecuador vehement abgeleht worden war, verlässt Ecuador. Er hält am Bekenntnis zu einer volksnahen Kirche fest, die mit der Gesellschaft und den Menschen lebt, anstatt "autoritär", "unflexibel" und "rücksichtslos" zu sein.

Bischof Gonzalo, der 40 Jahre lang das päpstliche Vikariat Sucumbios aufgebaut und geleitet hat, reichte 2009 altersbedingt seinen Rücktritt ein. Die Ernennung des ultrakonservativen P. Rafael Ibarguren Schindler am 30.10.2010 als Administrator, der die Herolde des Evangeliums mit einer Neuevangelisierung und Sakramentenkatechese beauftragte, löste einen Streit zwischen Anhängern der beiden Modelle aus, der sogar zu Handgreiflickeiten geführt hatte.

Laut Lopez Maranon war Ibarguren deshalb als Nachfolger ernannt worden, weil das in Sucumbíos umgesetzte Konzept von Kirche "nicht in deren Kopf passte", da sie "hierarchische und festgesetzte Strukturen" befürworten.

Als Bischof Lopez vor 40 Jahren nach Sucumbíos gekommen war, "gab es dort nichts". Erst durch die aufstrebende Öl-Industrie war diese Dschungelregion Ecuadors Ende der 1970-iger Jahre interessant geworden und die Infrastruktur verbesserte sich, zum Teil auch durch die Arbeit der Karmeliter.

Am 2. Mai 2011 hatte Papst Benedikt XVI. den Karmelitern das Betreuungsrecht für die Provinz Sucumbíos entzogen und vom Generaloberen der Karmeliter den Abzug der Brüder verlangt. Doch auch die Herolde des Evangeliums verließen am 24.5.2011 die Provinz und Monseñor Ángel Polibio Sánchez wurde als Administratort eingesetzt, zusammen mit diözesanen Priestern aus anderen Diözesen.

"Einige glauben, das Leben sei nur sozial; sie liegen falsch. Für andere ist es nur spirituell; auch das ist falsch. Das Leben ist lebendig, wir sind Menschen mit den Füßen am Boden und mit einer Seele, die sich nicht zufrieden gibt", erklärte Gonzalo.

López Marañón betonte, in den Jahren im Dschungel viele Dinge gelernt zu haben, die er im Klosterleben in Spanien nicht gekannt hatte. "Ich habe gelernt, die Wirklichkeit mit neuen Augen zu sehen, den Weg zur Freiheit, vor nichts Angst zu haben, das einfache Volk zu lieben, tief in die Menschen zu blicken (...), ich habe gelernt, dass das Leben ein Webstück aus Geist und Materie ist, ich bin vollkommener geworden".

Weiters sagte er, die Tatsache, dass er seit Annahme seines Rücktritts Sucumbíos nicht mehr betreten darf, 'ist witzig im bitteren Sinne des Wortes', aber nicht 'traumatisch', denn er ist "frei und glücklich."

Der Bischof wird sich nach Spanien in den Karmel von Avila zurückziehen und dort ein Sabbatjahr in Reflexion verbringen, wobei er dabei viel an Sucumbíos und die Menschen dort denken wird.

Bedauerlich ist, dass in Lago Agrio die Forderungen einer kleinen Gruppe nach der Rückkehr der Herolde des Evangeliums anhalten und dass sich jetzt auch wieder der Erzbischof von Guayaquil kritisch gegen Präsident Correa geäußert hat, der von seinem Vetorecht Gebrauch machen will, sollte der Bischofskandidat aus den Reihen der Herolde kommen.

Radio Vatikan, 12.7.2011
Ecuador: Kirche wirft Politik Versagen vor

Agencia EFE, 11.7.2011
Obispo español envuelto en disputa entre modelos de la Iglesia se va de Ecuador
El obispo español Gonzalo López Marañón, que estuvo envuelto en una disputa que dividió a los católicos de una provincia ecuatoriana, se marcha de Ecuador con la apuesta por una Iglesia que conviva con la sociedad, en vez de que sea un sistema "autoritario", "inflexible" y "despiadado".

InfoCatolica, 12.7.2011
Mons. López Marañón abandonará Ecuador en los próximos días
Mons. López Marañón, prelado emérito del Vicariato de Sucumbíos, ha anunciado que dejará Ecuados en los próximos días. El anuncio llega tras protagonizar y encabezar primeramente una rebelión contra la decisión del Vaticano de poner en manos de los Heraldos del Evangelio el cuidado pastoral del Vicariato Apostólico de Sucumbíos, y luego declarse en huelga de hambre, a la que llamó ayuno, para lograr la paz eclesial que él mismo había violentado.

Freitag, 24. Juni 2011

Treffpunkt ocd: Solidarität mit Bischof Gonzalo López Marañón

Papst Benedikt XVI. und P. Saverio Cannistrà ocd

Das Kontaktblatt der Schwestern und Brüder des deutschen Karmel OCD informiert über die Ereignssein Sucumbios, die mit der Fastenaktion von Bischof Gonzalo ihren Höhepunkt erreicht haben.

1. Neunte Mitteilung des Definitoriums (Seite 14)

6. Solidarität mit Bischof Gonzalo López Marañón OCD von Sucumbios, Ecuador (Seite 29)

 Treffpunkt ocd, 41. Jahrgang, Nummer 2

Montag, 20. Juni 2011

Karmeliten verließen Sucumbíos im Geist des Gehorsams und absoluter Verfügbarkeit

Im Treffpunkt-OCD (Ausgabe Nummer 2, 41.Jahrgang, Juni 2011) wird über die Situation in Sucumbíos Folgendes berichtet.

Rom, 18. Juni 2011
Liebe Schwestern und Brüder im Karmel,
FRIEDE

Vom 6. bis 11 Juni hatten wir wieder unsere Vollversammlung in Rom, über die wir, wie es nun schon Brauch ist, Euch durch diese Mitteilung informieren wollen.

Ziemlich viel Zeit haben wir uns für die Information und Reflektion über die Situation im Apostolischen Vikariat Sucumbíos genommen. Wie Ihr wisst, wurde dieses Vikariat dem Orden entzogen und der Gesellschaft des Apostolischen Lebens Virgo Flos Carmeli (Herolde des Evangeliums) anvertraut. Leider brachte dieser Wechsel viele Spannungen mit sich. P. Emilio José Martínez reiste deshalb nach Sucumbíos, um unsere Mitbrüder in der Mission dort anzuhören und ihnen beizustehen; P. General nahm in Rom mit der Kongregation für die Evangelisierung der Völker und dem Staatssekretariat Kontakt auf, um vor diesen Instanzen die Meinung des Ordens und speziell der Mitbrüder in Sucumbíos darzulegen. In einer Audienz bei Papst Benedikt am 2. Mai wurde ihm die Entscheidung des Hl. Stuhles mitgeteilt, dass der Orden die jetzt in Sucumbíos tätigen Mitbrüder durch andere ersetzten solle.

Im Auftrag von P. General begab sich dann der Provinzial von Kolumbien, P. Jorge Mario Naranjo, nach Ecuador, um unsere Mitbrüder dort über diese Entscheidung zu informieren und ihnen einen Brief zur Kenntnis zu bringen, den P. Emilio im Namen von P. General und dem Definitorium geschrieben hatte. Später reiste auch P. Marcos Juchem, der für Lateinamerika zuständige Generaldefinitor, noch dorthin.

Unsere Mitbrüder in der Mission haben die Versetzungsbitte des Hl. Stuhles im Geist des Gehorsams und absoluter Verfügbarkeit aufgenommen und das Vikariat verlassen. Nach so vielen Jahren selbstlosen Dienstes in jener Mission fiel es ihnen natürlich nicht leicht, diese Entscheidung anzunehmen, doch ihre Liebe zum Orden, zur Kirche von Sucumbíos und der gesamten Kirche erwies sich als stärker als alle anderen Gefühle.

Leider trug der Auszug unserer Mitbrüder nicht zur Beruhigung der Gemüter bei, sondern machte alles nur noch schlimmer, wie wir schon befürchtet hatten, weshalb beschlossen wurde, dass auch die Herolde des Evangeliums Sucumbíos wieder verlassen sollten. Wir befinden uns zur Zeit in einer Übergangsphase, da selbst die Bitte des Papstes, andere Mitbrüder aus unserem Orden nach Sucumbíos zu entsenden, sich als nicht praktikabel erweist, hoffen aber dennoch, dass wir den Orden in der geliebten Mission von Sucumbíos wieder heimisch machen können.

Noch vor unserer Versammlung war P. Emilio im Auftrag von P. General nach Burgos gereist, um den Provinzrat dieser Provinz über die Lage zu informieren; an diesem Gespräch hat auch P. Juan Berdonces, einer der Missionare aus Sucumbíos, teilgenommen.

In diesen Tagen haben wir erfahren, dass Bischof Gonzalo López Marañón, unser letzter Bischof von Sucumbíos, ein Fasten für den Frieden begonnen hat, worüber uns P. Juan Arias, ein Mitbruder aus Ecuador, auf dem Laufenden gehalten hat. Jetzt, in den Tagen der Abfassung dieses Briefes, hat Bischof Gonzalo sein Fasten beendet. Wir haben befürchtet, dass diese Geste von Bischof Gonzalo Anlass zu Missverständnissen führen könnte, waren aber auch um seine Gesundheit in großer Sorge. Jetzt nach Beendigung des Fastens hoffen wir von ganzem Herzen, dass die mit ihm verbundenen Ziele erreicht werden und in Sucumbíos wieder Friede einkehrt.

Durch diesen Brief und vor dem gesamten Orden möchten wir – P. General und die Definitoren – Bischof Gonzalo und den Mitbrüdern dort, sowie auch allen Schwestern und Brüdern, die mit ihnen zusammenarbeiten, und nicht zuletzt auch dem Provinzial von Kolumbien, P. Jorge Mario Naranjo, unsere herzliche Verbundenheit, unsere Solidarität und Zuneigung, sowie unseren Dank übermitteln. Wir sagen Euch Dank, auch im Namen des Ordens, für die vielen Jahre Eures selbstlosen Einsatzes für das Volk Gottes, das in Sucumbíos und in ganz Ecuador seinen Weg des Glaubens geht. Schließlich danken wir Euch auch für Euren Gehorsam, der sich in schwierigen Zeiten als echt erwiesen hat, als P. General aufgrund der Bitte des Hl. Stuhles von Euch verlangte, das Vikariat zu verlassen.

Gonzalo, Juan, José, Juan, Pablo, Jesús und Pedro Luis: Der Herr segne und belebe Euer Leben und eröffne Euch neue Horizonte, wo Ihr mit Eurer Arbeit für das Reich Gottes weiter machen könnt. Wir hoffen, dass wir Bischof Gonzalo diesen Gruß persönlich aussprechen können, wenn wir im September mit allen Bischöfen aus dem Orden in Ariccia bei Rom zum außerordentlichen Definitorium zusammenkommen.