Freitag, 17. Juni 2011

Bischof Gonzalo López Marañón: "Eine andere Kirche ist möglich"


Brief von Bischof Gonzalo López Marañón


Quito, 16. Juni 2011

An meine Mitbrüder im bischöflichen Amt in Ecuador und auf der ganzen Welt!
An die Schwestern und Brüder im Glauben und die Bürgerinnen und Bürger in Sucumbíos sowie in ganz Ecaudor!
An alle Menschen guten Willens!

FRIEDE IM HERRN

(ISAMIS, 17.6.2011) - Am 24. Mai dieses Jahres habe ich euch in einer Aussendung über meinen Entschluss informiert, noch am selben Tag mit einem persönlichen Fasten auf unbestimmte Zeit zu beginnen, um zur Versöhnung unter allen Brüdern und Schwestern der Kirche und der Provinz Sucumbíos beizutragen. Seit Ende des letzten Jahres ist Sucumbíos so grausam gespalten. Durch das Fasten sollten die offenen Wunden geheilt werden und Frieden in dieses Gebiet, das ich sehr liebe, zurückkehren.

Und heute, an diesem Nachmittag des 16. Juni, freue ich mich, Ihnen mitteilen zu können, dass ich das Fasten nach 24 Tagen beende. Ich danke zum Abschluss mit derselben Hoffnung, mit der ich es begonnen habe. Denn in Sucumbíos werden verlässliche und klare Zeichen und Signale sichtbar, dass sich die Dinge auf einen gerechten Weg hin bewegen. Neue Wege der Hoffnung und der Harmonie hin zu jenem Frieden für die Bürger und die Kirche, den uns der Herr auf wunderbare Weise während der letzten Jahrzehnten im Nordosten gegeben hat, können eingeschlagen werden.

Von ganzem Herzen danke ich dem Himmlischen Vater für seinen großen Segen und unserer Lieben Frau von Maria Himmelfahrt, Patronin von Sucumbíos. In diesem Moment der Danksagung richte ich mich an alle Personen und Institutionen in vielen Teilen der Welt, sowohl an kirchliche als auch an politische und zivilgesellschaftliche, die auf vielfältige Weise ihre Liebe und ihr Engagement zum Ausdruck gebracht haben, nicht nur mir, sondern auch der Kirche und dem Volk von Sucumbíos gegenüber. Nach dem was passierte, war es nur eine tiefe Sehnsucht nach menschlicher und christlicher Geschwisterlichkeit, die mich zu diesem extremen Zeichen der Liebe für Jesus und mein Volk antrieb. So habe ich alles, was ich in meinem armen Menschdasein geben kann, gegeben.

Auch wir in Sucumbíos wurden (wie Jesus und seine Jünger) durch Stürme und schwere Unwetter erschüttert. Manchmal haben wir erschrocken gewagt, Jesus zuzuschreien, wie die Jünger in ihrer Angst: "Kümmert es dich nicht, dass wir untergehen?" Und er wird uns antworten: "Warum habt ihr solche Angst? Habt ihr keinen Glauben? (Mk 4, 35-41)

Und selbst inmitten gelegentlicher bedrohlicher Turbulenzen danke ich dem Vater und seinem Sohn und unserem Herrn JESUS, vor allem für euch, meine kleinen Brüder und Schwestern von Sucumbíos, für das große Beispiel der Gelassenheit, Treue und Stärke, das ihr allen Kirchen und der ganzen Welt gegeben habt. In dieser Einfachheit habt ihr gezeigt, dass eine andere Kirche und eine andere Welt möglich ist. Gott sei Dank für euch alle, meine Brüder und Schwestern im Karmel, meine Freundinnen und Freunde. Aber Achtung: der Weg der Rückkehr hat gerade erst begonnen.

Fray Gonzalo López Marañón OCD

Monseñor Gonzalo López Marañón beim Abschlußgottesdienst seines 24-tägigen Fastens mit Monseñor Jesús Esteban Sádaba, Bischof von Aguarico, und Monseñor Luis Cabrera, Erzbischof von Cuenca und Vizepräsident der Bischofskonferenz am 16. Juni 2011 auf dem Alamada-Park in Quito


Informationen über das Fasten auf Englisch:

Discalced Carmelite Bishop fasts for reconciliation

(Source: IPS)

Donnerstag, 16. Juni 2011

Bischof Gonzalo Lopez Marañón beendet sein Fasten für Sucumbíos nach 24 Tagen

Mons. Fausto Gabriel Trávez Trávez, Erzbischof von Quito, Mons. Antonio Arregui Yarza, Erzbischof von Guayaquil und Mons. Gonzalo López Marañón

Comunicado de Prensa (Quito, 16.6.2011) - Bischof Gonzalo López beendet nach 24 Tagen sein Fasten und Beten für Versöhnung in der Kirche von Sucumbíos. Bereits um 8:30 Uhr, als er im Pfarrhof der Bethlehem-Kirche seine tägliche Körperpflege verrichtete, erschienen der Präsident der ecuadoriansichen Bischofskonferenz und Erzbischof von Guayaquil, Monseñor Antonio Arregui, und der Erzbischof von Quito, Monseñor Fausto Trávez. Sie zeigten sich erfreut über das Ende des Fastens.

Einige Ereignisse der letzten Tage haben Bischof Gonzalo zu diesem Entschluss veranlasst. Beim gestrigen Besuch hat ihm der päpstlichen Delegaten, Mons. Ángel Polibio Sánchez, versprochen, sich weiterhin für die Versöhnung in Sucumbios einzusetzen. Eine Ansprechperson der Charismatischen Erneuerungsbewegung konnte gefunden werden.
Der emeritierte Erzbischof von Manabí, Monseñor Mario Ruiz, telefonierte gestern abends mit Bischof Gonzalo und erklärte seine Anerkennung für das Fasten. Er bat Mons. Gonzalo, das Fasten zu brechen.
Außerdem bekundete der Koordinaor der Charismatischen Erneuerungsbewegung in der Provinz Sucumbíos öffentlich seine Bereitschaft und sein Eintreten für den Dialog zwischen den Mitgliedern seiner Bewegung und den Gläubigen der Kirche von Sucumbios (ISAMIS). Morgen soll eine Kommission nach Lago Agrio reisen, und neuerlich den Dialog mit den Charismatikern aufzunehmen.

Durch diese Anzeichen ist für Bischof Gonzalo der Weg zur Versöhnung sichtbar worden und er wird das Fasten brechen.

Um 15.30 Ortszeit gibt der Bischof noch eine Pressekonferenz. Offiziell soll das Fasten von Bischof Gonzalo López mit der Eucharistiefeier um 17:00 Uhr beendet werden, bei der Monseñor Jesús Esteban Sádaba, Bischof von Aguarico, und Monseñor Luis Cabrera, Erzbischof von Cuenca und Vizepräsident derBischofskonferenz, konzelebrieren.

Die Nachricht wurde sofort über mehrere Radiostationen in ganz Ecuador ausgestrahlt und verursachte bei den Menschen große Freude. Aus Sucumbíos sind weitere 40 Personen angekommen, Vertreter der vier pastoralen Sektoren, der Frauenbewegung und die Diözesanpriester. Sie feiern das Ende des Fastens als Anfang eines neuen Versöhnungsprozesses mit Gesängen und roten Rosen. Zweifelsohne sind durch dieses Ereignis die Weichen für die Kirche von Sucumbíos neu gestellt worden, sowie für die „katholische, apostolische und ecuadorianische Kirche“, wie jemand beim Gottesdienst gesagt hat.


Pressespiegel:

Blickpunkt Lateinamerika, 17.6.2011
Bischof López beendet Hungerstreik

Mittwoch, 15. Juni 2011

Bischof Gonzalo López empfängt den Generalstaatsanwalt und den päpstlichen Delegaten

Comunicado de Prensa (Quito, 15.6.2011) - Am 23. Tag des Fastens empfängt Bischof Gonzalo Lopez Marañón den Generalstaatsanwalt von Ecuador, Washington Pesantez. Er ging allein ins Zelt des Bischofs, um ungestört mit ihm reden zu können, während sich die Sicherheitskräfte im „Fastenlager“ näher umsahen und sich von der Aktion begeistern ließen.

Pesantez bekräftige vor dem Pressekomitee, dass die am 16. Mai versuchte Übernahme des Radiosenders Sucumbíos durch die Herlode rechtswidrig war. Die Angestellten einfach raus zu werfen „ist weder christlich noch legal“, sagte er. Man könne heute nicht so vorgehen wie „zu Zeiten des Feudalismus“.

Bezüglich der Beteiligung von Randalierern bei den Prozessionen der Charismatischen Erneuerungsbewegung in Nueva Loja mit dem Ziel, die Zustände zu destabilisieren, bestätige der Generalstaatsanwalt, dass man kurz vor dem Endbericht stünde und dass die Hypothese der angeworbenen Randalierer wahrscheinlich zutrifft.

Aus Lago Agrio trafen nach siebenstündiger Busfahrt einige Diözesanpriester und Vertreter der Pastoral Negra ein, um von ihren Erfahrungen zu berichten und am Gottesdienst teilzunehmen.


Mons. Gonzalo Lopez im Gespräch mit Mons. Ángel Polibio Sánchez, päpstlicher Delegat

Um 15 Uhr kam Monseñor Ángel Polibio Sánchez, päpstlicher Delegat und beauftragt zur Vermittlung in den durch die Herolde ausgelösten Konflikten in Sucumbíos, und beriet sich mit Bischof Gonzalo López.

In Sucumbíos gibt es erste Anzeichen der Versöhnung, vor allem in den Basisgemeinden, weiter von den politischen und religiösen Zentren entfernt. Gestern feierten Mitglieder der Charismatischen Grneuerungsbewegung gemeinsam mit Leuten von ISAMIS einen Gottesdienst. Einige Kirchen, die während der vergangenen Monate geschlossen waren, wurden wieder für alle Gläubigen geöffnet.

Jofre Poma, der Bürgermeister von Nueva Loja, hat Vertreter aller Medien zu einem Mittagessen eingeladen, um die bevorstehenden Festlichkeiten vorzubereiten.

Bischof Gonzalo Lopez, der während 40 Jahren die Kirche von San Miguel de Sucumbíos leitete, darf aufgrund einer päpstlichen Anordnung die Provinz Sucumbíos nicht betreten.

Dienstag, 14. Juni 2011

„Das Beispiel von Bischof Gonzalo Lopez ist glaubwürdig und ermutigend“!

Comunicado de Prensa (Quito, 14.6.2011) - Am 22. Tag seines Fastens empfing Bischof Gonzalo Lopez wieder zahlreiche Besucher. Besonders freute er sich über die Schülerinnen und Schüler vom Colegio Amaguaña.

„Ich empfange alle und stelle keine Bedingungen“, sagte der Bischof zu Journalisten von Radio Pública del Ecuador. „Mein Fasten ist frei gewählt. Ich bin glücklich darüber und hoffe auf Versöhnung in Sucumbíos“, gab er sich zuversichtlich.

Auch der Erzbischof von Quito, Monseñor Fausto Travez, kam und redete mit Bischof Gonzalo.

Aus Sucumbíos war Walter Pesantez angereist, er ist dort seit 12 Jahren als Diakon tätig. Er erzählte, wie Bischof Gonzalo in mühevoller Kleinarbeit das kirchliche und soziale Leben zur Entfaltung gebracht hat, „ganz von unten beginnend, Schritt für Schritt“. Er hat auch den radikalen Einschnitt erfahren, der seit der Ankunft der Herolde passiert ist. Sie hatten den Frauen jede aktive Beteiligung am Gottesdienst verboten. „Seit sie da sind, werden Frauen, die sich im Altarraum aufhalten, vor dem Allerheiligsten beten oder bei der Eucharistiefeier mithelfen, als ‚Unreine’ bezeichnet“, sagte er.

Während der Messfeier um 17 Uhr gab es viele ermutigende Zeugnisse wie „Dein Beispiel ist eine glaubwürdige Lektion des Evangeliums“ oder „Seit 2000 Jahren gab es in der Kirche immer wieder finstere Augenblicke; der momentane ist nicht der erste.“

Montag, 13. Juni 2011

Bischof Gonzalo Lopez feiert Pfingsten nach dreiwöchigem Fasten

Bischof Gonzalo Lopez feiert nach einen dreiwöchigen Fasten das Pfingstfest - Geburt der Kirche

Comunicado de Prensa (Quito, 13.6.2011) - Das Pfingstwochenende war für Bischof Gonzalo Lopez sehr anstrengend und forderte viel Kraft. Dazu kommen noch die kalten Nächte in Quito, die den Kreislauf sinken lassen.

Am Samstag nahm der Bischof während der Jugend-Vigil an einer einstündigen Videokonferenz mit Lago Agrio teil. Am Pfingstsonntag war die Liturgie sehr feierlich und es kamen viele Menschen. Bis in die Abendstunden empfing er Besucher.

Aus Lago Agrio waren Vertreter von Radio Sucumbíos gekommen und berichteten von ihrer unrechtmäßigen Entlassung durch die Herolde des Evangeliums am 16. Mai und die damit verbundenen Auseinandersetzungen. „Das ging damals eindeutig zu weit. Wir spürten im Innersten, dass wir den Radiosender aktiv verteidigen mussten“, erklärten sie. Es kam zu Handgreiflichkeiten und die Polizei musste eingreifen. Über Telefon wurden Freunde informiert und die Nachricht verbreitete sich wie ein Lauffeuer in der Stadt.

Radio Sucumbios ist ein Gemeinschaftsprojekt, das vor 19 Jahren von der Kirche in Sucumbíos ins Leben gerufen wurde. Basisbewegungen und NGOs haben hier ihr Sprachrohr. Mit der Entlassung der Angestellten und der Einstellung des Senders hatten die Herolde ihren Konpetenzbereich überschritten. Um gröbere Konflikte zu verhindern, verbrachte damals die Gouverneurin von Sucumbios die Nacht vom 16 auf den 17. Mai in der Radiostation und unterstützte die Angestellten.

Als Folge des Konflikts auf der Radiostation erstatteten die Herolde Anzeige wegen Körperverletzung und Mitgliedschaft bei einer terroristischen Vereinigung. Als Zeichen der Versöhnung wird die Rücknahme dieser Anklagen erwartet.

Im Hinblick auf eine notwendige Kirchenreform erwähnte Bischof Gonzalo Lopez das von über 300 katholischen Professorinnen und Professoren unterzeichnete Memorandum Freiheit als wichtigen Beitrag für die Erneuerung der Kirche.

Sonntag, 12. Juni 2011

Ohne die Frauen wäre die Kirche von Sucumbios nie auferstanden

Comunicado de Prensa (Quito, 11.6.2011) - Bischof Gonzalo Lopez fastet bereits den 19.Tag. Seine Gesundheit ist laut Auskunft der behandelnden Ärzte zufriedenstellend und sein Humor außergewöhnlich. In seinen Gebeten werden Hierarchie, Unbeweglichkeit, Heuchelei und Missbrauch von menschlichen Grundrechten infrage gestellt. Die Eucharistiefeiern um 17 Uhr sind ein lebendiges Zeugnis der Kirchengemeinschaft, die Bischof Gonzalo in Sucumbíos aufgebaut hat und wo der Mensch im Mittelpunkt steht. Hier schöpft er Kraft und strahlt für die Teilnehmer Optimismus aus. Seine Worte reflektieren die Versöhnung in Sucumbíos und laden zu persönlichen und kollektiven Handlungen ein, um Frieden zu schaffen.

Die Feiern dauern über zwei Stunden, bis alle ihre Glaubenszeugnisse mitgeteilt haben. Gestern waren jene älteren Frauen hier, die für die Verpflegung der Teilnehmer an den Mahnwachen in Lago Agrio während 139 Tagen hindurch verantwortlich waren. Ohne diese Frauen wären die Mahnwachen über diesen langen Zeitraum hindurch nicht möglich gewesen.

Bischof Gonzalo Lopez will sein Fasten erst beenden,
  • wenn die verbalen Angriffe gegen Diözesanpriester und Basisgemeinden aufhören;
  • wenn nicht mehr die Abberufung der Diözesanpriester und die Rückkehr der Herolde gefordert werden;
  • wenn die Prozessionen durch die Straßen von Nueva Loja aufhören;
  • wenn Monseñor Ángel Polivio Sánchez, Delegat des Papstes und Mediator der Bischofskonferenz für den Prozess der Versöhnung, in seinen Entscheidungen respektiert wird;
  • wenn die Neuorganisierung der Kirche von Sucumbíos unter der Leitung des Delegaten angenommen wird;
  • und wenn alle gerichtlichen Anzeigen und Klagen gegen Personen in der Provinz zurückgenommen und eingestellt werden.
Salesianer-Novizinnen schmücken die Kapelle für das Nachgebet

Jugendgruppen und Novizen verschiedener Ordensgemeinschaften werden heute abends im “Park des Fastens” aus Solidarität mit Bischof Gonzalo ein Nachtgebet organisieren. Auch in Argentinien und El Salvador wird es gleichzeitig Nachtgebete von Jugendgruppen geben, die über Skype miteinander verbunden werden sollen.

Präsident Rafael Correa ist solidarisch mit Bischof Gonzalo Lopez

Präsident Rafael Correa rief in seiner TV-Sendung Enlance Ciudadano zur Versöhnung der katholischen Kirche in der Provinz Sucumbíos auf. "Versöhnung ist nötig, die Unterschied müssen überwunden und gemeinsame Wege gegangen werden", sagte er.

"Monseñor Gonzalo ist 77 Jahre alt und ich bin besorgt, da er schon mehr als 15 Tage fastet. Aus gesundheitlichen Gründen sollte er das Fasten beenden", riet der Präsident, und bot dem Bischof seine Hilfe an:“ Sie können auf uns zählen!"



Confirmado.net, 11.6.2011
(VIDEO)Presidente Correa se solidariza con Monseñor Gonzalo López Marañón y le pide que levante su ayuno

Youtube-Video: RTU Notícias, 31.5.2011
Sucumbíos: Monseñor Marañón fue visitado por Presidente Rafael Correa